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Bestands- und Bauaufnahme
Die Geschichte eines Gebäudes ist Bau-, Nutzungs- und
Alterungsgeschichte. Eine genaue Voruntersuchung des zu behandelnden Objektes
und der jeweiligen Umstände steht immer an erster Stelle einer jeden Maßnahme.
1.
BAUAUFNAHME
1.1
Zweckbestimmung Bauaufnahme
-
für wissenschaftliche Zwecke
-
wird oft erst vor notwendigen
Sanierungen eingesetzt
-
zusammen mit Photodokumentation
komplettes Bild über das Objekt (objektgeschichtliche Analyse,
Zustandsfeststellung)
-
nur so können Aussagen und Kenntnisse (Abweichungen, Unregelmäßigkeiten)
hinzugewonnnen werden, die mit bloßem Auge nicht erkennbar waren
-
Grundlage für:
-
denkmalpflegerische
Inventarisierung
-
Dokumentation gefährdeter,
historischer Baudenkmäler
-
Rekonstruktion teilweise
zerstörter Bauten
-
Bauhistorische Erforschung von
Ensembles, Einzelbauten, Baukonstruktionen
-
Translozierung
-
Planungsgrundlage
-
Arbeitsgrundlage
-
Vermeidung unnötiger Kosten
Folgen ohne verformungsgenaue
Unterlagen:
-
wertvolle Denkmalsubstanz wird beschädigt und verunstaltet
-
eine statisch vollwertig vorhandene, gesunde Konstruktion muss
in ihrer Funktion beeinträchtigt werden
-
eine Ersatzkonstruktion muss eingebaut werden
-
durch eine derartige Prothese besteht die Gefahr neuer
Schäden
-
Mehrkosten
1.2
Richtlinien zur Bauaufnahme
Groberfassung =
alle sichtbaren Raum-, Bau- und Konstruktionskanten, Decken, Böden und sonstigen baufesten Ausstattungen.
Feinerfassung = Schäden, Risse, baugeschichtliche Befunde einzeichnen und beschreiben
Begleitende Feinerfassung = alle während der Maßnahme zutage tretenden weiteren Befunde
Tragwerkspläne:
- dienen der Beurteilung des Kräfteverlaufes in der Konstruktion
-
bei Grundrissen werden die Ebenen von zwei Geschossen einschl. der dazwischen liegenden Tragelemente zusammen gezeichnet, d.h. tragende und lastende Bauteile überlagert, um die Ableitung von Kräften in historischen Baugefügen zu erkennen
Flächenpläne:
- Erfassung von Befund- und Schadenssituationen mit Hilfe von Ansichtsplänen und Abwicklungen
1.3
Grundsätzliches Vorgehen
-
Normalerweise vom Architekten, Ausstattungsdetails von Handwerkern
-
möglichst substanzschonend, wenn Eingriffe, dann nur von Fachleuten
-
nur real vorhandene Konstruktionen und Befunde
-
nie mit vermuteten Ergänzungen und Rekonstruktionen vermischen
-
sind Bauteile eindeutig vorhanden, jedoch für die Messung nicht zugänglich, können sie gestrichelt dargestellt werden
-
wichtig ist, dass jeder die Unterlagen „lesen“ kann!
-
Maße eintragen
-
freihändig, gerade Flächen mit Lineal
-
verbale Eintragungen immer an Ort der gezeichneten Konstruktion
2.
GENAUIGKEITSSTUFEN
2.1
Genauigkeitsstufe I
Maßstab 1:100
-
schematische, jedoch vollständige Darstellung
-
einfache Dokumentation eines Gebäudetyps bei Renovierungsarbeiten wenn die Bausubstanz selbst nicht angegriffen wird
2.2
Genauigkeitsstufe II
Maßstab 1: 50
-
wirklichkeitsgetreues Aufmass
-
Darstellungsgenauigkeit muss innerhalb +/- 10 cm liegen
-
Grundlage für einfache Sanierungs- und Sicherungsmaßnahmen
-
zur Kartierung restauratorischer Untersuchungen
2.3
Genauigkeitsstufe III
Maßstab 1:50
-
exaktes und verformungsgetreues Aufmass
-
Darstellungsgenauigkeit muss innerhalb +/- 2,5 cm liegen
-
wirklichkeitsgerechte Dokumentation für Restaurierungs- und Umbauplanungen sowie Zwecke der wissenschaftlichen Bauforschung, der statischen Sicherung und der planungsvorbereitenden Bauzustandsanalyse
2.4
Genauigkeitsstufe IV
Maßstab 1:25 oder größer
-
exaktes verformungsgetreues Aufmass
-
Grundlage für schwierige Umbaumaßnahmen
-
Darstellungsgenauigkeit muss innerhalb +/- 2 cm (Maßstab 1:20 = +/- 1cm) liegen
-
für wissenschaftliche Bauforschung, statische Sicherung, planungsvorbereitende Bauzustandsanalyse, komplizierte Umbaumaßnahmen, Translozierungen und Rekonstruktionen
3.
VERFAHREN
3.1
Handvermessung
-
verformungsgerechte Aufmasse jeglicher Größe
-
Dreiecksmessung mit Theodolit
-
Schnittebene meist 1 m über Fußbodenniveau festlegen
-
Messnetze und Lasernivellierer
-
Bezugslinien (Schnüre), Meterabstände
-
erst Raumecken, Kanten, dann Türen, Fenster etc.
-
messen über mehrere Stockwerke: gleiche Punkte in allen Grundrissen
-
Beschriftung der Zeichnung (Maßstab, Nordpfeil, Orts- und Objektbezeichnung, EG/OG etc, Datum, Name des Bearbeiters)
-
Umzeichnung in Tusche
-
für weitere Kartierungen Kopien verwenden
-
Vertikalschnitte und Ansichten werden aus den Grundrissen über das Netz entwickelt
-
Details, auch Bezugslinien und Loten
Vorteil:
-
man ist in direktem Kontakt zu dem Objekt
-
vor Ort arbeiten
Nachteil:
-
Lange Aufenthaltsdauer
am Objekt
-
keine nachträgliche Bearbeitung wie in CAD
-
sehr zeitaufwendig
-
(Achtung! Verziehen des Kartons)
3.2
Photogrammetrie
-
hochliegenden oder auch sonst unzugänglichen Bauteilen
-
großräumliche Strukturen im Gelände
-
mit Messkammer wird ein Messbild erstellt und entzerrt, das Objekt wird in einer Ebene, in orthogonaler (senkrecht, rechtwinklig) Projektion dargestellt
-
Stereoeffekt, zwei parallele Photos
-
50mm Blende, nur das mittlere Drittel eines Fotos ist verzerrungsfrei
-
eigentliche Messung erfolgt dann an einem Digitalisiertisch in CAD-Umgebung
-
Deutung der Informationen im Stereomodell, die bestimmte Fachkenntnisse des Auswerters voraussetzt (Baugeschichte, Bauformen, Bearbeitungstechniken, Materialien)
Vorteil:
-
Aufnahmen vor Ort erfordern wenig Zeit
-
eigentliche Auswertung im Büro
-
Verbindung von Raster- und Vektordaten erhöhen den Informationsgehalt von Bild und Bestandsplan
-
Verbesserte Interpretation durch hinterlegtes Bild
-
Maßangaben und Flächenauswertungen sind sichtbarer Bestandteil einer digitalen Entzerrung
-
Hervorhebung von Oberflächenstrukturen
-
sinnvoll, wenn es darum geht, möglichst viele Punkte auf einem begrenzten Raum aufzunehmen, z.B. Fassaden oder Kapitelle
Nachteil:
-
Verschattete Bereiche können nicht erfasst werden
-
Oberflächeneigenschaften schlecht erkennbar
-
Fehler treten auf durch nicht Kontrolle vor Ort
-
Nachtragen von baugeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Fakten und Schadenszuständen
3.3
Mechanisierte Verfahren
z.B. Feldpantograph
-
aufzunehmende Bauteile werden mit Messingstift abgefahren
-
mittels Getriebemechanik wird das Abgetastete auf Papier maßstäblich verkleinert umgesetzt
-
Maßstäbe 1:10, 1:20, 1:50 möglich
Vorteil
-
Zeit- und Personalersparnis
Nachteil:
-
ein Gerät kann nur immer einen Maßstab liefern
-
arbeitet nur im Abfahren ebener Objekte gut
-
Zeichnungen müssen überarbeitet werden
3.2
CASOB / VITAS (COMPUTER AIDED
SURVEYING OF BUILDINGS – Computergestützte Bauvermessung)
-
Arbeitsschritte wie Handaufmass
-
Einzelpunktvermessung vor Ort
-
ein Knopfdruck am Tachymeter löst simultan den Mess-, Rechen-. Registrier- und Zeichenvorgang aus
-
man kann Massenermittlungen und Kostenkalkulationen durchführen
Vorteil:
-
Genauigkeit (+/- 5mm),
-
sofortige optische und rechnerische Kontrolle vor Ort (z.B. Nachmessen)
-
Kostenreduzierung , da pro Arbeitstag 1200 Punkte gemessen werden können
-
Fehler lassen sich vor Ort korrigieren
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problemloses Mess- und Zeichenverfahren für unterschiedlichste Fachdisziplinen, da Kenntnisse der Geodäsie nicht erforderlich sind
-
bei reflektorloser Messung im Ein-Mann Betrieb möglich
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umständliches Übertragen von Skizze in CAD entfällt
Nachteil:
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längerer Aufenthalt vor Ort
-
kein direkter Bezug zum Objekt
3.3
Planphotographie
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